Ehemalige

Heute sind viele Ehemalige in interessanten Berufen, leben auf verschiedenen Erdteilen, sind verheiratet oder bereits Vater oder Mutter und doch gibt es zahlreiche Kontakte und Treffen. Es werden immer wieder Veranstaltungen angeboten, an denen Begegnung, Erfahrungsaustausch und auch Fortbildung zu aktuellen Themenbereichen stattfinden. Das Team des Schülerwettbewerbs pflegt diese Kontakte und freut sich jedes Mal, wenn wieder neue Nachrichten eintreffen oder neue Kooperationen entstehen.

sasa konrad

Saša Konrad, Bauingenieur und Bauleiter

Deutschland ist meine Heimat geworden

Auszüge aus einem Interview von Laura Ilg im Rahmen der Ausstellung „Jungsein in Baden-Württemberg“ mit einer Ergänzungsfrage zum SWB 

Sie sind 1992, im Alter von 14 Jahren, als Kriegsflüchtling aus dem ehemaligen Jugoslawien in Winterlingen, einem kleinem Dorf auf der Schwäbischen Alb, gelandet. Was für ein Gefühl war es dort anzukommen?
Konrad: Ich bin mit meiner Mutter und meinem Bruder mit zwei Stofftaschen aus Bosnien geflüchtet, wir haben dort alles zurückgelassen. Ich dachte ja, dass wir bald wieder dorthin zurückkehren. Deshalb war Deutschland für mich mehr ein Erlebnis gemischt mit komischen Gefühlen, da ich nicht wusste, wo sich mein Vater in Bosnien befindet. Als ich nach den Sommerferien in die 9. Klasse der Hauptschule kam, war es der erste Schritt in das Leben hier.

Sie konnten damals nur ein paar Brocken Deutsch. Wie haben Sie sich in der Schule zurecht gefunden?

Ich habe die Lehrer kaum verstanden und es kam immer wieder zu Missverständnissen. Einmal habe ich mich zu einem Mitschüler umgedreht und ihn nach einem Kaugummi gefragt. Aber ich meinte eigentlich seinen Radiergummi und war irritiert, als er nein sagte. Der lag doch in seinem Mäppchen! Ansonsten habe ich nur positive Erfahrungen gemacht und durch Reden in der Schule und Fernsehen Deutsch gelernt.

Wie haben Sie sich in Winterlingen eingelebt?
Zunächst sind wir übergangsweise in der Wohnung meiner Tante untergekommen. Eine deutsche Familie hat uns dann günstig ein altes, einfach ausgestattetes Bauernhaus vermietet – für unsere Bedürfnisse war es perfekt, dort haben wir unsere Zuflucht und Ruhe gefunden. Diese deutsche Familie hat uns jahrelang sehr unterstützt mehr als unsere eigenen Verwandten es getan haben. Im Dorf selbst habe ich nach kurzer Zeit dazugehört und im Handballverein mitgespielt. Meine Mannschaft war bunt gemischt – einige Türken, ein Kroate und mehrere Deutsche. So war ich gezwungen, schnell Deutsch zu lernen und zu sprechen. Und je besser ich mich hier eingelebt und je mehr Freunde ich gefunden hatte, desto geringer war das Verlangen, nach Bosnien zurückzugehen.

Welche Anerkennung hat sie beflügelt?

Ich habe während der Schulzeit beim Schülerwettbewerb des Landtags mitgemacht und einen Förderpreis beim 40. Wettbewerb erhalten. Ich habe mit meiner späteren Frau zusammen eine Erörterung zur Frage „Lohnt es sich für andere einzusetzen?“ geschrieben. Die Ehrung im Landtag war für mich in meiner damaligen Situation etwas ganz Besonderes. Meine Leistung wurde anerkannt und auch belohnt. Dadurch hatte ich einerseits durch das Preisgeld eine kleine Grundlage für die weitere schulische Ausbildung erhalten, anderseits viele nette Leute kennenlernen dürfen und mich auf den angebotenen Veranstaltungen weiterentwickeln können. Die guten Kontakte mit vielen interessanten Personen sind bis heute geblieben. Es war mir immer wichtig wenigstens einen Bruchteil von dem was ich bekommen habe auch anderen Preisträgern und -trägerinnen sowie an die Landeszentrale zurückzugeben.

Wo liegt für Sie Ihre Heimat?
Wenn es nicht zum Bürgerkrieg gekommen wäre, hätte ich Bosnien wohl nicht verlassen. Doch die prägenden Momente habe ich in Deutschland erlebt: Ich habe hier studiert und noch während der Schulzeit meine jetzige Frau kennengelernt. Es war mir wichtig, die deutsche Staatsbürgerschaft zu bekommen. Hier fühle ich mich pudelwohl und möchte nicht nach Bosnien zurück – Deutschland ist meine Heimat geworden.

thorsten thielow

Thorsten Thielow, Kameramann für die ARD in Rio Janeiro

Filmen ist meine Leidenschaft

Thorsten hat im 39. SWB 1996/1997 für die Filmreportage „Reichtum heute – wo wird er sichtbar?“ mit drei Freunden den Förderpreis gewonnen. Hier ein Brief von ihm:
„Die letzte Drehreise war die härteste und gleichzeitig auch schönste, die ich als Kameramann jemals erlebt habe. Mit dem Motorrad 8000 Kilometer durch Südamerika. Über die Gipfel der Anden, durch den größten Salzsee der Welt, bis an den südlichsten Flecken Erde in Südamerika, nach Feuerland. Mein Beruf Kameramann ist der schönste der Welt und bringt mich vor allem in Länder und Situationen, die nur wenige Menschen vergönnt sind. Eine besondere Begegnung war Eduardo, den ich in Perus Anden traf, ein faszinierender und vielleicht ein bisschen verrückter Erfinder.
Seine Idee geht so: eine schwarze Fläche absorbiert Sonnenlicht, und wird deshalb heiß. Eine weiße Fläche reflektiert Sonnenlicht, und bleibt deshalb kühl. Das Eis der Anden ist wegen der Erderwärmung geschmolzen, was für die Andenländer eine Katastrophe ist, denn eines der größten Probleme dieser Region ist schon jetzt das fehlende Wasser. Eduardo jedenfalls will den Schnee und das Eis zurück. Also bemalt er den gesamten Gipfel des „Chalon Sombrero“ in der Nähe der Ortschaft Licapa mit weißer Farbe.
Nach dem andinen Fünftausender mit Eduardo haben wir uns Rippen gebrochen, sind in einem Salzsee eingebrochen, haben uns mit bolivianischen Ringkämpferinnen Schlachten geliefert, haben reisenden Unbekannten das Leben gerettet, haben Wildpferde in Feuerland gefangen und die schönsten Sonnenuntergänge der Welt gefilmt. Eines der größten Abenteuer unseres Lebens, und für mich als Kameramann des ARD Studios Südamerika eine der erdenkbar schönsten Drehreisen. 
Als ehemaliger Gewinner eines Förderpreises möchte ich Euch erzählen, wie ich zu diesem Beruf gekommen bin.
Als wir die Dreharbeiten für unseren Wettbewerbsfilm zum Thema „Arm und reich“ im Keller meines Freundes Axel abgeschlossen hatten, machten wir uns auf den Weg nach Stuttgart. Eine kleine Filmproduktionsgesellschaft hatte an unserem kleinen Projekt gefallen gefunden und überließ uns deren Fernsehschnittplatz für eine Nacht. Mischpulte, Monitore, Messgeräte und Mikrophone, ein Raumschiff. Was haben wir gestaunt.
Bernhard, der einige Jahre später mein Chef und begnadeter Lehrmeister der Kamera werden würde, erklärte uns die wesentlichen Funktionen des Schnittplatzes, denn der Praktikant der uns eigentlich helfen sollte, war krank. „Das müsst ihr jetzt selber hinkriegen Jungs“, ließ er uns knapp wissen, „morgen früh um halb neune will ich euch hier nicht mehr sehen, da kommen Kunden vom Südwestfunk“. 
Und so begannen Axel, Vilib, Thomas uns ich unseren ersten Schnitt in einem professionellen Schnittplatz. Es wurde eine lange Nacht, mit unendlich viel Kaffee.
Einige Monate später waren wir stolze Gewinner eines Förderpreises und besuchten nach der Preisverleihung das Studio von Bernhard, um uns zu bedanken. „Na dann zeigt mir den Film doch mal“, sagte Bernhard, „so schlecht kann er ja dann doch nicht gewesen sein“ …
Zwei Jahre später schmierte ich als Praktikant das erste Mal Philadelphia Schnitten in der Küche der AVMedien Film, Bernhards Firma, für Fernsehreporter vom Südfunk, die ihre Filme im gleichen Schnittraumschiff schnitten, wie wir damals unseren Wettbewerbsfilm …
Die Leidenschaft des Filmens habe ich früh entdeckt, ich bin dafür prämiert worden und habe später diese Leidenschaft zum Beruf gemacht, kurz vom Förderpreis zum Traumberuf.
Wer mehr von der Anden Motorrad Reise lesen möchte, kann das gerne auf der Blog Seite des SWR tun.
Und wer unsere Arbeit im ARD Studio Rio de Janeiro mitverfolgen möchte, der kann bei Facebook nach ARD Television Rio de Janeiro suchen.
Im Augenblick schreibe ich zusammen mit meinem Korrespondenten Thomas Aders an einem Buch über unsere gemeinsamen Abenteuer bei der ARD. Es handelt von unserer Berichterstattung aus dem Irak-Krieg, den Fluten Afrikas, der historischen Wahl von Barak Obama, dem Drogenkrieg Mexikos oder von faszinierenden Völkern des Amazonas. Mit etwas Glück wird es 2012 im Buchhandel zu finden sein.“