KAMERAMANN FÜR DIE ARD IN RIO DE JANEIRO
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Thorsten Thielow

Thorsten hat im 39. SWB 1996/1997 für die Filmreportage „Reichtum heute – wo wird er sichtbar?“ mit drei Freunden den Förderpreis gewonnen. Hier ein Brief von ihm:




Filmen ist meine Leidenschaft

„Die letzte Drehreise war die härteste und gleichzeitig auch schönste, die ich als Kameramann jemals erlebt habe. Mit dem Motorrad 8000 Kilometer durch Südamerika. Über die Gipfel der Anden, durch den größten Salzsee der Welt, bis an den südlichsten Flecken Erde in Südamerika, nach Feuerland. Mein Beruf Kameramann ist der schönste der Welt und bringt mich vor allem in Länder und Situationen, die nur wenige Menschen vergönnt sind. Eine besondere Begegnung war Eduardo, den ich in Perus Anden traf, ein faszinierender und vielleicht ein bisschen verrückter Erfinder.

Seine Idee geht so: eine schwarze Fläche absorbiert Sonnenlicht, und wird deshalb heiß. Eine weiße Fläche reflektiert Sonnenlicht, und bleibt deshalb kühl. Das Eis der Anden ist wegen der Erderwärmung geschmolzen, was für die Andenländer eine Katastrophe ist, denn eines der größten Probleme dieser Region ist schon jetzt das fehlende Wasser. Eduardo jedenfalls will den Schnee und das Eis zurück. Also bemalt er den gesamten Gipfel des „Chalon Sombrero“ in der Nähe der Ortschaft Licapa mit weißer Farbe.

Nach dem Andinen Fünftausender mit Eduardo haben wir uns Rippen gebrochen, sind in einem Salzsee eingebrochen, haben uns mit bolivianischen Ringkämpferinnen Schlachten geliefert, haben reisenden Unbekannten das Leben gerettet, haben Wildpferde in Feuerland gefangen und die schönsten Sonnenuntergänge der Welt gefilmt. Eines der größten Abenteuer unseres Lebens, und für mich als Kameramann des ARD Studios Südamerika eine der erdenkbar schönsten Drehreisen. 
Als ehemaliger Gewinner eines Förderpreises möchte ich Euch erzählen, wie ich zu diesem Beruf gekommen bin.

Als wir die Dreharbeiten für unseren Wettbewerbsfilm zum Thema „Arm und reich“ im Keller meines Freundes Axel abgeschlossen hatten, machten wir uns auf den Weg nach Stuttgart. Eine kleine Filmproduktionsgesellschaft hatte an unserem kleinen Projekt gefallen gefunden und überließ uns deren Fernsehschnittplatz für eine Nacht. Mischpulte, Monitore, Messgeräte und Mikrophone, ein Raumschiff. Was haben wir gestaunt.

Bernhard, der einige Jahre später mein Chef und begnadeter Lehrmeister der Kamera werden würde, erklärte uns die wesentlichen Funktionen des Schnittplatzes, denn der Praktikant der uns eigentlich helfen sollte, war krank. „Das müsst ihr jetzt selber hinkriegen Jungs“, ließ er uns knapp wissen, „morgen früh um halb neune will ich euch hier nicht mehr sehen, da kommen Kunden vom Südwestfunk“. 
Und so begannen Axel, Vilib, Thomas uns ich unseren ersten Schnitt in einem professionellen Schnittplatz. Es wurde eine lange Nacht, mit unendlich viel Kaffee.

Einige Monate später waren wir stolze Gewinner eines Förderpreises und besuchten nach der Preisverleihung das Studio von Bernhard, um uns zu bedanken. „Na dann zeigt mir den Film doch mal“, sagte Bernhard, „so schlecht kann er ja dann doch nicht gewesen sein“ …

Zwei Jahre später schmierte ich als Praktikant das erste Mal Philadelphia Schnitten in der Küche der AVMedien Film, Bernhards Firma, für Fernsehreporter vom Südfunk, die ihre Filme im gleichen Schnittraumschiff schnitten, wie wir damals unseren Wettbewerbsfilm …

Die Leidenschaft des Filmens habe ich früh entdeckt, ich bin dafür prämiert worden und habe später diese Leidenschaft zum Beruf gemacht, kurz vom Förderpreis zum Traumberuf.

Wer mehr von der Anden Motorrad Reise lesen möchte, kann das gerne auf der Blog Seite des SWR tun.
Und wer unsere Arbeit im ARD Studio Rio de Janeiro mitverfolgen möchte, der kann bei Facebook nach ARD Television Rio de Janeiro suchen.

Im Augenblick schreibe ich zusammen mit meinem Korrespondenten Thomas Aders an einem Buch über unsere gemeinsamen Abenteuer bei der ARD. Es handelt von unserer Berichterstattung aus dem Irak-Krieg, den Fluten Afrikas, der historischen Wahl von Barak Obama, dem Drogenkrieg Mexikos oder von faszinierenden Völkern des Amazonas. Mit etwas Glück wird es 2012 im Buchhandel zu finden sein.“